Ein neues fettverbrennendes Molekül erhöht den Energieverbrauch der Fettzellen

Daniel Ferrigno

Medizin

Ein in Mäusen identifiziertes Molekül, Purin-Inosin, das die Fettverbrennung in braunen Adipozyten stimuliert. Tests am Menschen stehen bevor.

Unter normalen physiologischen Bedingungen speichern Fettzellen Energie. In den Zellen des braunen Fettgewebes hingegen wird Energie in Form von Wärme abgeführt: Das braune Fett wirkt somit als biologischer Heizer. Die meisten Säugetiere haben diesen Mechanismus. Beim Menschen hält es Säuglinge warm, bei Erwachsenen korreliert die Aktivierung brauner Fette positiv mit der kardiometabolischen Gesundheit.

„Heute ist uns aber auch im Winter warm. Aus diesem Grund werden die „Öfen“, die wir in unserem Körper haben, kaum noch benötigt“, erklärt Prof. Dr. Alexander Pfeiffer des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie der Universität Bonn. Zumindest fbis nächsten Winter, Ich sage. Gleichzeitig ernähren wir uns zunehmend energiereicher und bewegen uns viel weniger als unsere Vorfahren. Diese drei Faktoren sind Gift für braune Fettzellen: Sie hören nach und nach auf zu funktionieren und sterben schließlich ab. Andererseits nimmt die Zahl stark übergewichtiger Menschen weltweit weiter zu. „Forschungsgruppen auf der ganzen Welt suchen nach fettverbrennenden Substanzen, die das braune Fett anregen“, erklärt Pfeifer.

Neues von braunem Fett

Das Forscherteam der Universität Bonn identifizierte kürzlich eine bisher unbeobachtete Funktion eines bekannten Moleküls, Inosin, das als effektiver Fatburner gelten soll.

„Absterbende Zellen setzen bekanntermaßen eine Reihe von Botenmolekülen frei, die die Funktion benachbarter Zellen beeinträchtigen“, erklärt Dr. Birte Niemann aus Pfeifers Forschungsgruppe. „Wir wollten wissen, ob dieser Mechanismus auch in braunem Fett existiert.“

Für diese Studie betrachteten die Forscher die braunen Fettzellen unter starkem Stress, sodass die Zellen praktisch absterben. „Wir fanden heraus, dass sie Purin absondern Inosin in großen Mengen“, sagt Niemann. Interessanter war jedoch, wie intakte braune Fettzellen auf den Ruf nach molekularer Hilfe reagierten: Sie wurden durch Inosin (oder einfach durch absterbende Zellen in ihrer Nähe) aktiviert. Das Inosin entzündete dann den Ofen in ihnen. Auch weiße Fettzellen haben sich in ihre braunen Brüder umgewandelt. Mäuse, die mit einer energiereichen Diät gefüttert und gleichzeitig mit Inosin behandelt wurden, blieben schlanker als Kontrolltiere und waren vor Diabetes geschützt. 

Fettverbrennung
Histologischer Schnitt, in dem der Unterschied zwischen weißem und braunem Fettgewebe deutlich zu sehen ist: Im weißen gibt es in jeder Zelle einen großen "Tropfen" weißen Fettes, während im braunen Gewebe diese Tropfen weniger vorhanden sind und die Zelle dunkler ist und kleiner dank einer größeren Dichte an Organellen, wie sie zum Beispiel Fett verbrennen, um Wärme zu erzeugen. (Quelle: unavitasumeasure.it)

Okay, es verbrennt Fett bei Mäusen… Und bei Menschen?

„Es gibt ein Medikament, das für Gerinnungsstörungen entwickelt wurde, das aber auch den Inosin-Transporter hemmt“, erklärt Pfeifer, der auch Mitglied der transdisziplinären Forschungsbereiche „Life and Health“ und „Sustainable Futures“ der Universität Bonn ist. "Wir haben die Mäuse mit diesem fettverbrennenden Medikament gefüttert und sie haben dadurch mehr Energie verbraucht." 

Und wir? Interessanterweise haben auch Menschen einen Inosintransporter. Und bei 2-4% der Menschen ist es weniger aktiv aufgrund einer genetischen Variation. 

„Unsere Kollegen von der Universität Leipzig haben 900 Individuen genetisch analysiert“, erklärt Pfeifer. „Die Probanden mit dem am wenigsten aktiven Transporter waren im Durchschnitt deutlich schlanker.“ Diese Ergebnisse legen nahe, dass Inosin auch die Thermogenese in menschlichen braunen Fettzellen reguliert. Substanzen, die in die Transporteraktivität eingreifen, könnten daher zur Behandlung von Fettleibigkeit geeignet sein. Das bereits gegen Blutgerinnungsstörungen zugelassene Medikament könnte als Ausgangspunkt für ein neues Medikament zur Fettverbrennung dienen. 

Selbst wenn das Medikament bereits für andere Zwecke verwendet wird, sind natürlich weitere Humanstudien erforderlich, um das pharmakologische Potenzial dieses Mechanismus zu klären. Es ist jedoch klar, dass eine Pille allein nicht die Lösung für die weltweit grassierende Adipositas-Pandemie sein kann, und die wissenschaftliche Gemeinschaft ist sich darin einig. Ähnliche Bewertungen wurden auch bei der jüngsten Entdeckung eines möglichen "Übungspille„Die körperliche Aktivität in Zukunft komplett verdrängen könnte.

Die verfügbaren Therapien sind derzeit nicht wirksam genug. Es gibt auch Probanden, die kein „normales“ Gewichtsungleichgewicht haben und konkrete Unterstützung bei Ernährung und Bewegung brauchen: Gerne kann man die Rolle von Inosin untersuchen.

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