Pekka KarhunenAls Professor an der Universität Tampere analysierte er jahrelang Herzgewebeproben von Menschen, die plötzlich verstorben waren. In diesen Myokardfragmenten fand er etwas, das seine Sicht auf Herzinfarkte für immer veränderte: bakterielle DNA, die dort nicht hätte sein dürfen. Eine Entdeckung, die die Lehrbücher der Kardiologie neu schreibt und den Weg für Impfstoffe gegen einen erheblichen Prozentsatz der Herzinfarkte ebnen könnte.
Wenn der Herzmuskel zum Rückzugsort für Bakterien wird
Die Studie wurde am veröffentlicht Journal der American Heart Association Er analysierte Koronarplaques von 121 Menschen, die plötzlich starben, und Operationsproben von 96 Patienten, die sich einer Endarteriektomie unterzogen hatten. Die Ergebnisse sind bemerkenswert: 42,1 % der Koronarplaques enthielten Viridans-Streptokokken-DNA, Bakterien, die häufig in unserem Mund vorkommen. Bei chirurgischen Proben steigt dieser Prozentsatz auf 42,9 %.
„Eine bakterielle Beteiligung an der koronaren Herzkrankheit wird schon lange vermutet, aber direkte und überzeugende Beweise fehlen“, erklärt Karhunen.
„Unsere Studie hat das Vorhandensein von genetischem Material verschiedener oraler Bakterien in atherosklerotischen Plaques nachgewiesen, die das Myokard beeinträchtigen.“
Bakterien organisieren sich in gallertartige Biofilme, Schutzstrukturen, die sie für das Immunsystem unsichtbar und gegen Antibiotika resistent machen. Wie aktuelle Studien über Biofilme zeigen, können diese Mikroorganismen jahrzehntelang inaktiv bleiben und auf den richtigen Moment warten, um aktiv zu werden.
Der verborgene Mechanismus des Herzinfarkts
Der Prozess, der zu bakteriellen Herzinfarkten führt, birgt keine Geheimnisse mehr. Streptokokken Viridans Sie besiedeln den Lipidkern atherosklerotischer Plaques und bilden Biofilme, die den Makrophagen des angeborenen Immunsystems völlig entgehen. Es ist ein bisschen wie eine unterirdische Stadt, die unter einer Metropole gedeiht und die Anwesenheit dieser stillen Bewohner nicht bemerkt.
Doch die Ruhe ist offensichtlich. Wird der Biofilm durch einen externen Auslöser (Virusinfektion, Stress, Trauma) aktiviert, vermehren sich die Bakterien und setzen eine noch aggressivere „neue Generation“ frei. Diese aggressiveren Bakterien verlassen den sicheren Hafen des Biofilms und infiltrieren die fibröse Plaqueschicht, die die Cholesterinablagerung stabil hält.
An diesem Punkt ertönt der Alarm des Immunsystems. Das adaptive Immunsystem erkennt den Befall und löst eine massive Entzündungsreaktion aus. Die Entzündung schwächt die fibröse Schicht, bis sie reißt und der Plaqueinhalt in den Blutkreislauf gelangt. Es bildet sich ein Gerinnsel, die Arterie verstopft und der Herzmuskel erhält keinen Sauerstoff mehr. Es kommt zum Herzinfarkt.
Vom Mund zum Herzmuskel: eine gefährliche Reise
Streptokokken Viridans Dies sind Bakterien, die normalerweise die Mundhöhle bewohnen. Sie sind Teil der natürlichen Mikrobiota und verursachen unter normalen Bedingungen keine Probleme. Unter bestimmten Umständen können sie jedoch eine gefährliche Reise zum Herzen antreten. Bei zahnärztlichen Eingriffen, aggressivem Zähneputzen oder sogar einfachen Episoden von vorübergehende Bakteriämiegelangen diese Mikroorganismen in den Blutkreislauf.
Atherosklerotische Plaques bilden aufgrund lokaler Hypoxie neue Blutgefäße. Diese kleinen Gefäßkanäle werden zu bevorzugten Eintrittspforten für zirkulierende Bakterien. Sobald sich die Plaques etabliert haben, beginnt die lange Wartezeit. Der Biofilm wächst langsam, schützt seine Bewohner und ermöglicht ihnen, sich ungestört zu vermehren.
Die Studie zeigte eine statistisch signifikante Korrelation zwischen Vorhandensein von Viridans-Streptokokken und Tod durch koronare Herzkrankheit (P=0.021) oder Herzinfarkt (P=0.042). Je schwerer die Arteriosklerose, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, diese Bakterien in der Plaque zu finden.
Die Implikationen für die Zukunft
Wenn dieses Paradigma durch größere Studien bestätigt wird, wird es den Ansatz zur kardiovaskulären Prävention radikal verändern. Mundhygiene, die bereits für die allgemeine Gesundheit wichtig ist, wird bei der Vorbeugung von Herzinfarkten eine entscheidende Rolle spielen. Regelmäßige Zahnarztbesuche, die rechtzeitige Behandlung von Mundinfektionen und der sinnvolle Einsatz von Antibiotika könnten ebenfalls zu Instrumenten der Herz-Kreislauf-Vorsorge werden und unzählige Leben retten.
Die faszinierendsten Aussichten ergeben sich jedoch aus der Entwicklung neuer Therapien. Spezifische Impfstoffe gegen Viridans-Streptokokken Sie könnten die Plaquebildung verhindern. Moderne Bildgebungsverfahren könnten Biofilme in den Arterien erkennen, bevor sie aktiv werden. In der akuten Phase könnten gezielte Antibiotika eingesetzt werden, um die Entzündungsreaktion einzudämmen.
Das Forschungsteam, zu dem Mitarbeiter vonUniversität Oulu, Dall 'Finnisches Institut für Gesundheit und Wohlfahrt und mit "Universität Oxforduntersucht diese Möglichkeiten bereits. Das von der Europäischen Union und finnischen Stiftungen geförderte Projekt ist ein Beispiel dafür, wie gemeinsame Forschung zu bahnbrechenden Entdeckungen führen kann.
Eine Frage der Balance
Die Entdeckung bedeutet natürlich nicht, dass alle Herzinfarkte ansteckend sind. Cholesterin, Bluthochdruck, Rauchen und Bewegungsmangel bleiben wichtige Risikofaktoren. Vielmehr trägt sie zum komplexen Puzzle der Arteriosklerose bei und zeigt, wie verschiedene Mechanismen zusammenwirken und akute kardiovaskuläre Ereignisse auslösen können.
Das Myokard, dieser unermüdliche Muskel, der täglich über 100.000 Mal schlägt, ist anfälliger als wir dachten. Doch vielleicht bietet uns gerade diese Verletzlichkeit neue Möglichkeiten, es zu schützen. Denn einen Feind zu verstehen ist der erste Schritt, ihn zu besiegen.
Und wenn richtiges Zähneputzen tatsächlich Ihr Herz retten könnte, wäre es eine der einfachsten und kostengünstigsten Präventivmaßnahmen in der Geschichte der Medizin.